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Datum: 20.01.2020

Nachruf Prof. Dr. Dr. h.c. Petr Pokorný (21.4.1933–18.1.2020) Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn trauert um ihren Ehrendoktor Prof. Dr. Dr. h.c. Petr Pokorný, der am 18. Januar 2020 in Prag verstorben ist.

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Die Fakultät hat Petr Pokorný im Jahr 1998 den Titel eines „Doctor honoris causa“ als Ausdruck sowohl der engen wissenschaftlichen und persönlichen Verbundenheit als auch zur Anerkennung seines wissenschaftlichen Werkes verliehen.

Die vita von Petr Pokorný ist eng mit der Zeitgeschichte seines Heimatlandes und Europas verknüpft. Er wurde am 21. April 1933 in Brünn geboren und wirkte nach dem Studium an der Comenius-Fakultät für Protestantische Theologie in Prag zunächst von 1957 bis 1967 als Pfarrer der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in zwei Prager Gemeinden. Die Dissertation über das Thema „Leib Christi im Epheserbrief“ wurde 1959 angenommen, und bereits 1962 folgte die Habilitation für das Fach Neues Testament mit einer Arbeit über gnostische Mysterien. In der Zeit des Prager Frühlings erhielt Petr Pokorný 1968 eine Stelle als Assistent an der Prager ComeniusFakultät. Im Jahr 1970 wurde er zum Dozenten und 1972 zum Professer im Fach Neues Testament ernannt. Nach der samtenen Revolution in der Tschechoslowakei im Jahr 1989 wurde die Comenius-Fakultät als Evangelisch-Theologische Fakultät in die Prager Karls-Universität integriert. Petr Pokorný amtierte als deren Dekan in den Jahren 1996 bis 1999 und von 1998 bis 2010 als Direktor des Zentrums für Biblische Studien, das an der Prager Evangelisch-Theologischen Fakultät angesiedelt ist. Die Prager Evangelisch-Theologische Fakultät und die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn waren auf mehreren institutionellen Ebenen partnerschaftlich miteinander verbunden, und Petr Pokorný hatte nicht nur wesentlichen Anteil am Aufbau dieser Verbindung, sondern er hat sie auch über mehrere Jahrzehnte hinweg mit Leben erfüllt.

Petr Pokorný war ein Gelehrter mit einer breiten internationalen Ausstrahlung und einem wissenschaftlichen Œuvre, das eine überaus große Breite aufweist. Seine Kommentare zum Kolosserbrief (1987) und zum Epheserbrief (1992) sowie seine „Theologie der lukanischen Schriften“ (1998) und die „Einleitung in das Neue Testament“ (2007) sind seit ihrem Erscheinen vielbeachtete Standardwerke. Als Gravitationszentren seines wissenschaftlichen Interesses können zum einen das Spannungsfeld von antiker Mysterienfrömmigkeit, frühchristlicher Gnosis und Neuem Testament sowie zum anderen die Frage nach dem Kanon vor allem des Neuen Testaments, aber auch der Bibel insgesamt als historisches und theologisches Problem gelten. Das weltweite Ansehen, das Petr Pokorný in seinem Fach genoss, fand seinen Ausdruck darin, dass ihm im Jahr 1994/95 die Präsidentschaft der „Society for New Testament Studies“ (SNTS) anvertraut wurde.

Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn wird Petr Pokorný ein ehrendes Andenken bewahren.

Michael Wolter (Prof. em. für Neues Testament)

Michael Meyer-Blanck (Dekan)

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