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Die ersten hundert Jahre

Als die Evangelisch-Theologische Fakultät der Universität Bonn 1818 im mehrheitlich katholischen Rheinland gegründet wurde – eine evangelische Gemeinde Bonn existierte überhaupt erst seit 1816 –, gehörten ihr zwei Dozenten an. Eingeschrieben war ein einziger Student, sodass der eigentliche Lehrbetrieb erst im Folgejahr begann. Eine strenge Zuweisung der theologischen Disziplinen zu spezialisierten Professuren gab es noch nicht; allerdings legte Friedrich Lücke einen Schwerpunkt auf neutestamentliche Forschungen und kann so als erster Neutestamentler der jungen Fakultät gelten. Mit der Berufung Carl Immanuel Nitzschs gab es ab 1822 fünf Professoren, eine Zahl, die erst 1870 dauerhaft überschritten wurde. Als Lücke 1827 nach Göttingen wechselte, wurde der Exeget Friedrich Bleek 1829 sein Nachfolger. Wie sein Vorgänger war auch er ein persönlicher Schüler Schleiermachers. Um das Lehrangebot zu bewältigen, kamen ab 1831 zusätzlich Privatdozenten nach Bonn.

Unter ihnen sei hier in aller Kürze Bruno Bauer hervorgehoben: Wegen der für die von ihm vertretene Ansicht, schon das Markusevangelium, das er für das älteste hielt, sei im Wesentlichen die freie Erfindung seines Autors, und wegen seiner politischen Ansichten, geriet er in den Konflikt mit der Fakultät und dem Ministerium. Gutachten aller preußischen evangelisch-theologischen Fakultäten kamen zu einem disparaten Ergebnis in der Frage, ob ihm die venia docendi zu entziehen sei, was 1842 von zuständigen Minister beschlossen wurde. Bauer war u.a. auch in der Auseinandersetzung mit David Friedrich Strauss um dessen „Leben Jesu“ (in diesem Kontext brach Strauss mit der Hegelschule und sprach erstmals von Links- und Rechtshegelianern) und als zeitweiser Lehrer von Karl Marx von Bedeutung.

Außerdem war Georg Friedrich Heinrich Rheinwald 1831 als Nachfolger des Kirchengeschichtlers Johann Carl Ludwig Gieseler nach Bonn gekommen und erhielt dort 1833 eine ordentliche Professur für Kirchengeschichte und Neues Testament, lehrte allerdings ab 1834 nicht mehr.

Wegen mehrerer Todesfälle und ständig vergleichsweise knapper Finanzen wechselten die Professoren v.a. in der zweiten Hälfte des 19. Jh. häufiger, wovon (insbesondere um 1870) auch das Neue Testament betroffen war. 1849 hatte sich Albrecht Ritschl in Bonn habilitiert; er wurde 1852 außerordentlicher Professor und trat 1859 eine ordentliche Professur an. 1854 nahm außerdem Johann Peter Lange seine Professorentätigkeit in Bonn auf. Als Ritschl 1864 einem Ruf nach Göttingen folgte, kam als sein Nachfolger 1864 Martin Kähler als ao. Professor, aber auch er blieb nur wenige Jahre in Bonn. An seiner Stelle wurde Karl Bernhard Hundeshagen 1866 nach Bonn berufen. Als dieser 1872 verstarb, trat Wilhelm Mangold in seine Fußstapfen. Er war der letzte der Bonner Professoren, der seine Seminare vollständig in lateinischer Sprache hielt! Nur etwa zwei Jahre war August Dietzsch in Bonn, der, 1870 gekommen, 1872 einer Herzkrankheit erlag.

1890 kam Eduard Grafe als Nachfolger des verstorbenen Mangold nach Bonn. Gleichzeitig schritt die strukturelle Ausdifferenzierung hin zu spezialisierten Professuren für die Disziplinen, die sich schon länger anbahnte, weiter voran. So wurde Siegfried Goebel 1895 auf ein neu eingerichtetes Ordinariat für NT nach Bonn berufen. Weiterhin war es aber ein häufiges Phänomen, dass ein Professor mehrere Disziplinen vertrat – so etwa Gustav Ecke, der 1903 in Bonn eine Professur mit Lehrauftrag für Systematische und Praktische Theologie sowie Neues Testament antrat. Auch Friedrich Sieffert, der schon 1871 als Privatdozent und ab 1873 als ao. Professor in Bonn gelehrt hatte, dann aber einem Ruf nach Erlangen gefolgt war, war nach seiner Rückkehr nach Bonn 1889 als ordentlicher Professor neben NT für eine weitere Disziplin (ST) zuständig. Ein Jahr nach seinem Tod 1911 wurde Emil Weber sein Nachfolger, erst als Extraordinarius, dann ab 1913 als Ordinarius. Grafe wurde 1913 emeritiert, ein Jahr später an seiner Stelle Rudolf Knopf nach Bonn berufen.

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