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Von 1914 bis 1945

Während des ersten Weltkriegs wurde das Lehrangebot weitestgehend aufrecht erhalten. Allerdings bahnten sich erneut umfangreiche personelle Umbrüche (und, in allen Disziplinen, ein merklicher Stellenabbau) an. Und nicht nur das Professorium wandelte sich: 1921 beantragte mit Johanna Schulze die erste Studentin Zulassung zum Fakultätsexamen, was man, nachdem es in Münster bereits möglich war, erlaubte.

Bald nach Kriegsende versterben 1920 Knopf und Ecke; noch im selben Jahr wird Wilhelm Heitmüller der Nachfolger von Knopf, während eine Neubesetzung der Professur von Ecke nicht beantragt wird. Gleichzeitig wird für Wilhelm Larfeld, einen habilitierten Oberlehrer, eine Stelle geschaffen, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass „z. Zt. ein großer Teil unserer Studierenden mit nicht genügenden Kenntnissen in der griechischen Sprache in das Studium der Theologie eintritt“. Latein- und Griechischkurse im Rahmen des Studiums wurden allerdings regulär erst ab 1928 angeboten. Faktisch vertrat Larfeld damit das zweite ntl. Ordinariat und wurde 1923 zum ao. Professor ernannt.

Heitmüller verließ Bonn 1923 und ging nach Tübingen. Da Weber auch Systematische Theologie lehrte, gab es nun keinen hauptamtlichen NT-Ordinarius mehr an der Fakultät. Als statt eines direkten Nachfolgers der Kirchengeschichtler Erik Peterson berufen und mit einem Lehrauftrag auch für NT versehen wurde – wo er dann auch den Großteil seiner Lehrtätigkeit investierte –, äußerte sich die Fakultät besorgt über die Zukunft der vakanten Professur und verhinderte später, dass der Lehrauftrag Hermann Schlingensiepens von PT zusätzlich auf NT ausgedehnt wurde. Mehrere Schreiben an das Ministerium verdeutlichen, wie bedrohlich der Personalmangel (nicht nur im NT!) war – 1928 waren nur sechs Professoren an der Fakultät verblieben.
1928 versuchte man, Martin Dibelius für Bonn zu gewinnen, dieser lehnte aber mit ausdrücklichem Verweis auf die schwierige Lage der Fakultät ab. Stattdessen wurde 1929 Karl Ludwig Schmidt berufen. Man hatte offenbar außerdem damit gerechnet, dass sich Peterson nun ganz dem NT widmen werde. Als dieser stattdessen zum Katholizismus konvertierte und die Fakultät verließ, wurde die Doppelprofessur ganz in eine kirchengeschichtliche umgewandelt.

Mit dem Eintritt Karl Barths, Karl Ludwig Schmidts und Gustav Hölschers beginnt 1929/30 eine kurze Zeit der Blüte an der Fakultät, was sich u.a. an deutlich steigenden Studierendenzahlen erkennen lässt. Das änderte sich 1933 rasch. Von den evangelischen Theologen galten besonders Barth und Schmidt als Sozialisten und NSDAP-Gegner. Letzterer war dann auch der erste, der zunächst schikaniert und diffamiert und dann im April 1933 entlassen wurde (Adolf Deissmann hatte sich zuvor noch schriftlich für ihn eingesetzt). Noch im selben Jahr kam Ethelbert Stauffer nach Bonn, um die Lehre zu vertreten; er erhielt 1934 eine ordentliche Professur. Weber teilte das Schicksal Schmidts, wurde 1935 zwangsversetzt und verlor 1937, als sich nach eigenen Angaben herausstellte, dass einer seiner Großväter Jude gewesen sei, seine Lehrerlaubnis. Die Zahl der Studierenden sank in wenigen Jahren auf ein Drittel.

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