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Von 1945 bis in die Gegenwart

Nach 1945 leitete Stauffer die Fakultät zunächst und behielt seinen Lehrstuhl, nicht zuletzt, weil er angab, weder der NSDAP, noch der SA oder SS angehört zu haben. Er hatte allerdings mehrfach seine Zustimmung zum Nationalsozialismus bekundet und war ein Gegner der Bekennenden Kirche. In den Nachkriegsjahren engagierte er sich stark für den Neuaufbau der Fakultät.
Von Anfang an war eine Doppelbesetzung aller Disziplinen geplant; die zweite NT-Professur trat 1945 Heinrich Schlier an. Schlier war es auch, der Stauffer nach dessen Rücktritt 1946 als Dekan nachfolgte. Zusätzlich waren Fakultät und Landeskirche um die Rückkehr der in der NS-Zeit abgesetzten Dozenten bemüht. Das gelang allerdings nur für Weber. Karl Ludwig Schmidt und Ernst Fuchs, der sich 1932 in Bonn habilitiert hatte und dem ebenfalls 1933 die Lehrbefugnis entzogen worden war, kehrten aus unterschiedlichen Gründen nicht nach Bonn zurück.
Der Abgang Stauffers 1948 leitete eine Phase der personellen Neuanfänge an.

Die Suche nach seinem Nachfolger gestaltete sich als schwierig: Eduard Schweizer, 1949 Lehrstuhlvertreter in Bonn, lehnte den Ruf ebenso wie Werner Georg Kümmel ab. Fuchs, über einen längeren Zeitraum als Kandidat im Gespräch, erhielt 1949 eine Berufungsanfrage des Ministeriums; ein Veto der Landeskirche, der er als Bultmannschüler theologisch verdächtig war, verhinderte aber in letzter Minute seine Berufung, nachdem er den Ruf bereits angenommen hatte. Die Fakultät stellte sich daraufhin hinter Fuchs, der von der Landeskirche die Gründe seiner Ablehnung und ein klärendes Gespräch verlangte. Gleichzeitig plante die Tübinger Fakultät, Fuchs zum apl. Professor zu ernennen, sodass sich nun auch deren Dekan Gerhard Ebeling, zunächst direkt an die Landeskirche, dann in einem offenen Brief an alle Landeskirchen und ev.-theol. Fakultäten, einschaltete und der Rheinischen Kirche den Missbrauch ihres Vetorechts vorwarf. 1951 wurde der Fall auf dem Fakultätentag erstmalig diskutiert. Als eine Antwort der Landeskirche ausblieb, drohte der Fakultätentag im Folgejahr damit, den Fall öffentlich zu machen. Erst jetzt war die Kirche zu einem Gespräch bereit, das 1953 (in Abwesenheit des Präses) stattfand. Fuchs wurde darin vollständig rehabilitiert; ein Jahr später folgte er einem Ruf auf die NT- Professur nach Berlin.

In Bonn konnte man 1951 den auch andernorts umworbenen Philipp Vielhauer als Nachfolger Stauffers gewinnen.
Weber wurde 1950 emeritiert und auch die zweite Professur musste neu besetzt werden: Schlier wechselte 1952 an die Philosophische Fakultät. Ihm folgte nach ersten Verhandlungen, zunächst einer Absage und dann neuen Gesprächen 1956 Erich Dinkler aus Yale, der (gemeinsam mit Vielhauer) schon 1951 für die Nachfolge Stauffers im Gespräch gewesen war, um in Bonn Neues Testament, Alte Kirche und Christliche Archäologie zu lehren. Wegen des seit 1954 durch die Außenstellen in Köln und Aachen gestiegenen Lehrbedarfs erhielt außerdem Wilhelm Schneemelcher 1954 den Ruf auf eine Professur für Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche.

Als Dinkler 1963 nach Heidelberg wechselte, erging ein erster Ruf an Hans Conzelmann. Als dieser ablehnte, wurde Wolfgang Schrageangefragt und sagte zu. Noch 1964 trat er die Professur an, die inzwischen neu zugeschnitten worden war und den Schwerpunkt nun auf Neues Testament und Judentum legte.
Die folgende Phase personeller Kontinuität im NT endete 1977 durch den plötzlichen Tod Vielhauers. Nach Vertretungen durch Heinz-Wolfgang Kuhn und Gert Jeremias konnte 1979 Erich Gräßer als sein Nachfolger gewonnen werden.

Die Emeritierung beider Lehrstuhlinhaber im NT 1993 fällt mit einer Phase des personellen Umbruchs an der gesamten Fakultät zusammen. Noch 1993 wurde Michael Wolter als Nachfolger Gräßers nominiert und nahm den Ruf an. Die Verhandlungen über die zweite Stelle dauerten länger an, dann erging der Ruf an Wilhelm Pratscher, der 1995 zunächst als Lehrstuhlvertreter nach Bonn kam und 1996 die Nachfolge Schrages antrat.

Pratscher ging 1998 nach Wien. 2003 übernahm Günter Röhser, aus Aachen kommend, seinen Lehrstuhl, dessen Schwerpunkt nun „Geschichte und Theologie des frühen Christentums im Kontext seiner paganen Umwelt“ war. Nach der Emeritierung Wolters 2016 erging der Ruf an Hermut Löhr, der diesem 2017 folgte. Der Lehrstuhl hat nun einen besonderen Fokus auch im Antiken Judentum.

Paul Becker
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