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Ätologie

In der Erzählforschung werden unter dem Begriff Ätiologie (von griech. αἰτία/aitia „Ursache“ und λόγος/logos „Lehre“) Texte verstanden, die gegenwärtig Vorfindliches durch Ereignisse in der Vergangenheit narrativ erklären wollen. In der atl. Wissenschaft bezeichnet die Ätiologie v.a. die Klärung von Fragen nach Vorfindlichem der menschlichen Lebenswirklichkeit, etwa nach Namen (z.B. die Umbenennung Jakobs in Israel Gen 32,29), Naturphänomenen (den Regenbogen Gen 9,12ff.), Bräuchen (z.B. die Beschneidung Gen 17,10ff.) oder Zuständen (z.B. die Zerstörung Jerichos Jos 6). Sinnvoll ist die Unterscheidung von ätiologischen Motiven im Rahmen einer Erzählung und ätiologischen Erzählungen als speziellem Typ der Sage. Ein nach Inhalt und Funktion eigener Typ der ätiologischen Erzählung ist die Heiligtumslegende (hieros logos, auch Kultgründungsätiologie oder -sage genannt, z.B. in Gen 28,10–22; vgl. 35,14f.). Sie möchte die Heiligkeit eines Ortes legitimieren und für die Wallfahrt zu dieser Stätte werben. Sie zeichnet sich durch bestimmte Erzählzüge aus: a) zufällige Konfrontation mit der Heiligkeit einer Stätte durch eine Theophanie, b) Errichtung / Stiftung eines Altars, c) Benennung der Stätte. Ätiologien besitzen in der Regel keinen, in einzelnen Fällen einen in ihrem Kern nur schwer fassbaren historischen Wert.


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