Sie sind hier: Startseite Das Lexikon A anaphorisch

anaphorisch

In der Syntaxlehre bezeichnet der Begriff ‚anaphorisch‘ (von griech.: ἀναφέρω/anapherō „zurückführen“) die Verweisrichtung (Phorik) von Wörtern, die auf das innerhalb des Satzgefüges oder Kontextes Voranstehende zeigen. D.h. es wird auf etwas verwiesen, das dem Leser bereits bekannt ist. Z.B. Mt 3,13: „Zu jener Zeit kam Jesus von Galliläa zum Jordan zu Johannes, um sich von ihm (ὑπ᾽ αὐτοῦ/hyp’ autou) taufen zu lassen.“ Das Pronomen ‚ihm‘ (αὐτός/autos) weist hier auf ‚Johannes‘ zurück. Das Gegenteil zu anaphorisch ist kataphorisch. Die Verweisrichtung lässt sich allerdings nicht immer eindeutig bestimmen. Umstritten ist z.B., ob es sich bei dem Adverb οὕτως/houtos („so“) in Röm 11,26 um einen anaphorischen („ebenso“, „also“) oder kataphorischen („folgendermaßen“) Verweis handelt. Sprachlich möglich sind hier beide Varianten. Unter Umständen ist eine Doppeldeutigkeit sogar intendiert.


Artikelaktionen