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Argumentatio

Der Begriff (von lat. argumentatio „Beweisführung“) stammt aus der antiken Rhetorik und bezeichnet den zentralen Hauptteil der Rede, in dem der Redner seine Position darstellt und begründet. Nach Quintilian, Inst. 3,9,1 besteht die argumentatio aus zwei Teilen: der →probatio, die den eigenen Standpunkt des Redners entfaltet, und der →refutatio, in der die Position der Gegenpartei zurückgewiesen wird und ihre Argumente widerlegt werden. Diese beiden Teile lassen sich z.B. in der argumentatio des Kolosserbriefes (Kol 2,9–23) deutlich voneinander unterscheiden; V. 9–15: →probatio; V. 16–23: →refutatio). Vgl. Lk 15,4–32: 4–10 als →probatio, V. 11–32 →refutatio. Die innerhalb der argumentatio verwendeten inhaltlichen Argumente werden zwei loci zugewiesen: argumenta a persona stellen einerseits den Redner (und gegebenenfalls, im →Genus iudiciale, die von ihm vertretene Person) in ein positives Licht und setzen andererseits die Gegenpartei herab (1Kor 9,1–23; 2Kor 6,3–10; Phil 3,2–11), während argumenta a re die für den zur Debatte stehenden Sachverhalt (der causa) relevanten Gesichtspunkte thematisieren. Die Anwendbarkeit antiker rhetorischer Kategorien, wie z.B. von  Quintillian vorgelegt, für die Exegese des NT ist jedoch nicht unumstritten.


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