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intentio lectoris

Die intentio lectoris (von lat. intentio „Absicht“ und lector „Leser“) vertritt im Dreieck von Autor, Text und Leser den Leser bei der Frage nach dem Sinn und der Absicht des Textes. Die intentio lectoris ist also das, was der Leser aufgrund seiner Herkunft und seines Vorverständnisses für sich in dem Text findet bzw. in ihn hineinlegt. Weil jeder Text aber auch gegenüber den Intentionen seiner Leser autonom ist, und damit das Textverständnis nicht beliebig wird, muss die Frage nach der intentio lectoris immer durch die Fragen nach der intentio operis und der intentio auctoris korrigiert werden. Weil aber ein Text immer nur durch die Arbeit des konkreten Lesens eines bestimmten Individuums erschlossen werden kann und die Rezeption nicht von den jeweiligen Gegebenheiten des lesenden Individuums gelöst werden kann, muss die intentio lectoris bei der Frage nach dem Sinn und der Absicht eines Textes immer mit berücksichtigt werden.

 

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