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intentio operis

Die von Umberto Eco eingeführte Kategorie der intentio operis (von lat. intentio „Absicht“ und opus „Werk“) vertritt im Dreieck von Autor, Text und Leser den Text (d.h. das Werk). Sie basiert auf der Einsicht, dass jeder Text sowohl gegenüber dem Autor als auch gegenüber dem Leser autonom ist. Ein Text beruht nicht allein auf dem Gestaltungswillen des Autors und dieser Gestaltungswille ist nie vollkommen frei. Denn ein Text basiert auch auf vom Autor unabhängigen sprachlichen Strukturen und Mechanismen, die dem Autor übergeordnet sind und z.T. unbewusst bei der Erstellung eines Textes wirksam sind. Der vom Autor aus der Hand gegebene Text hat seinen Sinn nicht unmittelbar aufgrund der Aussageabsicht des Autors (intentio auctoris), sondern aufgrund des ‚Eigenlebens‘ seiner sprachlichen Elemente in ihren Strukturen. Deshalb sind die Aussageabsicht des Autors und der Sinn des Textes nie genau ein und dasselbe. Von daher ist es sinnvoll, den Sinn des Textes zunächst im Text selber zu suchen. Die intentio operis ist demnach die erste Adresse bei der Frage nach Sinn und Absicht eines Textes, zumal nur über den Text die Aussageabsicht des Autors ermittelt werden kann, die sich eben nie vollständig mit der intentio operis deckt. Zugleich ist die intentio operis im Hinblick auf die verschiedenen Interpretationen und Lesarten eines Textes durch den Leser die Größe, an der sich die intentio lectoris messen und korrigieren lassen muss, wenn sie nicht beliebig werden soll.

 

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