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kataphorisch

In der Syntaxlehre bezeichnet der Begriff ‚kataphorisch‘ (von griech.: καταφέρω/katapherō „hinabtragen“) die Verweisrichtung (Phorik) von Wörtern, die auf das innerhalb des Satzgefüges oder Kontextes Nachstehende zeigen. D.h. es wird auf etwas verwiesen, das dem Leser bisher noch nicht bekannt ist. Z.B. Joh 2,22: „Als er von den Toten auferweckt worden war, erinnerten sich seine Jünger (μαθηταὶ αὐτοῦ/mathētai autou), dass er dies gesagt hatte und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesagt hatte.“ (das Pronomen ‚seine‘ [αὐτός/autos] verweist auf den später im Satz genannten ‚Jesus‘). Das Gegenteil zu kataphorisch ist anaphorisch. Die Verweisrichtung lässt sich allerdings nicht immer eindeutig bestimmen. Umstritten ist z.B., ob es sich bei dem Adverb οὕτως/houtōs („so“) in Röm 11,26 um einen anaphorischen („ebenso“, „also“) oder kataphorischen („folgendermaßen“) Verweis handelt. Sprachlich möglich sind hier beide Varianten. Unter Umständen ist eine Doppeldeutigkeit sogar intendiert. Im Vergleich zur Anapher begegnet die Katapher seltener in Texten, denn ein Verweis auf etwas, das im Text erst folgt, ist für den Leser deutlich schwieriger zugänglich.

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