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Parallelismus membrorum

Unter einem Parallelismus versteht man eine Stilfigur, die durch eine parallele Syntax entsteht. Der Parallelismus membrorum (‚Parallelismus der Glieder‘ oder Vershälften) ist das einzige gesicherte Merkmal hebräischer Poesie und gilt daher als ihr bedeutendstes Merkmal. In den Psalmen bilden meist zwei Verszeilen eine zusammengehörende Zweiergruppe, die man als →Bikolon bezeichnet, d.h. als Zweizeiler. Da im hebräischen Satzrhythmus und Gedanke, Form und Inhalt durchweg übereinstimmen, fallen Vers- und Satzschluss meist zusammen. Man kann fünf Arten des Parallelismus unterscheiden: (1) Bei dem am häufigsten auftretenden ‚synonymen Parallelismus‘ wiederholt die Aussage der zweiten Zeile in einer Variation die der ersten Zeile, vgl. Ps 51,4: „Wasche mich völlig von meiner Schuld // und reinige mich von meiner Sünde!“. (2) Beim ‚antithetischen Parallelismus‘ sind die Aussagen der beiden Verszeilen gegensätzlich, vgl. Ps 1,6: „Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten // aber der Gottlosen Weg vergeht.“. (3) Beim ‚synthetischen Parallelismus‘ führt die zweite Verszeile die erste fort und schließt sie ab, vgl. Ps 27,1f.: „Der HERR ist mein Licht und mein Heil // vor wem sollte ich mich fürchten?“. (4) Beim ‚parabolischen Parallelismus‘ bilden beide Verszeilen einen steigernden Vergleich, vgl. Ps 103,11: „Gewiß, so hoch der Himmel über der Erde ist // so übermächtig ist seine Gnade über denen, die ihn fürchten.“ (5) Der seltene ‚klimaktische Parallelismus‘ bietet eine Steigerung (Klimax). Dieser Typ besteht oft aus drei Verszeilen (Trikolon), vgl. Ps 93,3: „Ströme erhoben, HERR // Ströme erhoben ihr Tosen // Ströme erheben Brausen.“

 

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