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Synchronie

Die synchronische (von griech. σύν/syn„zugleich“ und χρόνος/chronos„Zeit“) Untersuchung von Texten ist eine Fragestellung, die alle Elemente eines Textes auf derselben zeitlichen Ebene behandelt und damit den Text in seiner vorliegenden Gestalt interpretiert. Das Gegenteil ist die diachronische (von griech. διά/dia„durch“ und χρόνος/chronos„Zeit“) Untersuchung, die Texte hinsichtlich ihrer Entwicklung und Veränderung durch die Zeit, d.h. hinsichtlich ihrer Entstehung, befragt. Dabei wird z.B. gefragt, welche Textteile ursprünglich und welche später hinzugefügt worden sind.

Mit Aufkommen des historischen Interesses an Texten seit der Aufklärung hat zunehmend auch die diachronische Fragestellung für die Exegese an Relevanz gewonnen. Nachdem innerhalb der →historisch-kritischen Methode die diachronische Betrachtung von Texten mitunter sehr stark in den Vordergrund gerückt wurde, hat man seit Ende des 20. Jhs. unter dem Schlagwort ‚Primat der Synchronie‘ wieder die Wichtigkeit einer Interpretation der Endgestalt des Textes betont.

In der exegetischen Literatur werden die verschiedenen Methodenschritte häufig hinsichtlich Synchronie und Diachronie sortiert. Dabei werden vor allem die Analyse der Textstruktur, aber auch die →Redaktionskritik (sofern v.a. als Kompositionskritik verstanden), als synchronische Lesarten des Textes verstanden, →Literarkritik und →Überlieferungskritik z.B. als diachronische Lesarten. Es lässt sich jedoch fragen, ob eine derartige Einteilung konsequent durchzuhalten und für das Verständnis der einzelnen Methodenschritte hilfreich ist. Eine Analyse der Textstruktur ist noch am eindeutigsten ausschließlich als synchronische Fragestellung zu erkennen, d.h. sie ist nur an der Endgestalt des Textes interessiert. Die →Redaktionskritik dagegen, zwar auch an der Endgestalt des Textes interessiert, integriert außerdem diachronische Aspekte. Ebenso vermischen sich in motiv- und begriffsgeschichtlichen Untersuchungen der →Traditionskritik synchronische (Gebrauch eines Begriffs innerhalb einer Schrift oder eines Corpus) und diachronische (Geschichte eines Begriffs) Aspekte.

 

 

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