DFG-FOR 2686 Resilienz in Religion und Spiritualität

Teilprojekte

Hier finden Sie eine Übersicht der Teilprojekte unseres Forschungsprojekts. Die Teilprojekte arbeiten auf verschiedene Weise zusammen und integrieren ihre Ergebnisse. Teilprojekt Z nimmt dabei eine organisatorisch-koordinierende Rolle, Teilprojekt 0 eine inhaltlich-integrierende und theoretisch-konzeptionell rahmende Funktion ein.

Neben der integrierenden Arbeit in Teilprojekt 0 und dem regelmäßigen interdisziplinären Austausch im Rahmen von Tagungen, Workshops und im wissenschaftlichem Dialog, laufen die gewonnenen Erkenntnisse zudem in Teilprojekt 5 zur Erarbeitung einer interdisziplinären Resilienzdefinition und eines Resilienzmodells mit operationalisierbaren Kategorien zusammen.

Von TP Z bis TP 8

Die theologischen Teilprojekte (TP 1 und TP 2) untersuchen Resilienznarrative und -konstruktionen im Kontext der jüdisch-christlichen Tradition, während die phänomenologisch-anthropologisch orientierten Teilprojekte (TP 3 und TP 4) Resilienz in Verbindung mit Empathie, interpersonaler Resonanz und Achtsamkeit erforschen. Die medizinisch ausgerichteten Teilprojekte (TP 5 und TP 6) untersuchen Resilienz als Dynamik- und Kohärenzphänomen in Lebenskrisen, während die am Kontext der Spiritual Care  ausgerichteten Teilprojekte (TP 7 und TP 8) sich mit empirischen Beziehungen von Resilienz und Spiritualität bei Trauernden und Caretakern befassen.

Resilienz TP Z_Fokus
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Lernen Sie die Teilprojekte kennen

PI
Prof. Dr. Cornelia Richter122

Projektmitarbeitende
Ann-Kathrin Armbruster (WMA)233
Markus Leiber (WHK)
Jana Puschke (SHK)
Lane Yalcin (Sekretariat)

Teilprojektbeschreibung
Die Aufgabe des Koordinationsprojektes ist das organisatorische Forschungsmanagement der Forschungsgruppe sowie die interne und externe Kommunikation. Das Ziel besteht (a) in der reibungslosen formalen Koordinierung aller am Projekt beteiligten Personen und der Veranstaltungen, Reisen, Publikationen, der Öffentlichkeitsarbeit und der Gleichstellungsmaßnahmen im Forschungsverbund. Damit soll (b) die eigentliche Kapazität der Forschungsgruppe für die tatsächliche inhaltliche Forschungsarbeit gewährleistet werden. Dies ist nur möglich, wenn (c) frühzeitig eventuelle fachliche, organisatorische oder kommunikative Differenzen und Missverständnisse wahrgenommen und sachgemäß thematisiert werden.

Zu den wichtigsten Aufgaben des Teams von TP Z gehört die Gewährleistung und motivierende Aufrechterhaltung der kontinu-ierlichen Kommunikation zwischen den beteiligten Wissenschaftsdisziplinen, zwischen PIs, Mitarbeiter*innen, externen Expert*innen und insbesondere innerhalb der Gruppe des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Daneben ist die Wissenschaftskommunikation in die Öffentlichkeit hinein eine zentrale Aufgabe von TP Z. Hierfür plant das Koordinationsprojekt in Zusammenarbeit mit allen beteiligten Wissenschaftler*innen die Darstellung des gemein-samen Projektvorhabens, der disziplinspezifischen Beiträge und der translationalen Zielsetzung, bereitet diese für die jeweiligen Zielgruppen auf und spielt sie kontextsensibel auf die jeweiligen Kommunikationszusammenhänge zugeschnitten ein.

Das Koordinationsprojekt arbeitet eng mit TP 0 zusammen, das die inhaltlich-theoretische Rahmung des Gesamtprojekts gewährleistet und die entscheidenden interdisziplinären Problemkonstellationen, Weichenstellungen und Lösungsansätze kommentierend begleitet. Um die Arbeit dieser interdisziplinär hoch komplexen Forschergruppe so störungsfrei, effizient und kommunikationsfreudig wie möglich zu gestalten, müssen insbesondere diese beiden koordinierenden Projektkomponenten TP 0 und TP Z einander so gut als möglich ergänzen.

PI
Prof. Dr. Cornelia Richter2

Projektmitarbeitende
Thorben Alles (WMA)4
Johanna Bolin (WHF)

Teilprojektbeschreibung
In unserer interdisziplinären Forschung sind Kommunikation, Interaktion, Pragmatik und Kritik unverzichtbar, um zu vermeiden, dass die einzelnen Forschungsprojekte in ihre jeweiligen Fachlogiken abdriften und nebeneinander statt miteinander forschen. Deswegen wurde ein eigenes Teilprojekts TP 0 eingerichtet, das ergänzend zur organisatorischen Koordination der theoretischen Interaktion der gesamten Forschungsgruppe dient. Ziel von TP 0 ist die begleitende Dokumentation und Kommentierung von Forschungsaufgaben, -problemen und -ergebnissen, die sich aus dem Verlauf der gemeinsamen Arbeit ergeben.

TP 0 nimmt die jeweils für alle Teilprojekte theoretischen Problemkonstellationen auf und arbeitet den Teilprojekten bei der begrifflichen und theoretischen Klärung dieser Problematiken zu. Dafür sichtet TP 0 die für den Projektzusammenhang jeweils relevante, interdisziplinäre Literatur, pointiert knapp die verbindenden und differenten Aspekte und bereitet Vorschläge, auf welche Weise sich die jeweilige Konstellation für die gemeinsame Thematisierung anbieten würde.

 TP 0 ist in das Projekt mit der Erarbeitung des Begriffs und Konzepts einer interdisziplinären Hermeneutik von Resilienznarrativen sowie der interdisziplinären Reflexion des wissenschaftstheoretisch hochgradig divergenten Erfahrungsbegriffs gestartet. Im Laufe des Projekts wird der Begriff der medio-passiven Responsivität analysiert werden, der ein Schlüsselbegriff für die Analyse Resilienz-relevanter religiös-spiritueller Prozess sein dürfte und das Potential birgt, die gängigen, primär aktiv konnotierten Resilienzfaktoren, kritisch und korrigierend zu ergänzen. Schließlich widmet sich TP 0 dem Verhältnis von A-Funktionalität, Funktionalität und Dysfunktionalität religiös-spiritueller Vorstellungen, Überzeugungen oder Riten. Dieses Verhältnis ist zentral für die Frage der potentiellen Orientierungsleistung von Resilienznarrativen und ihrer erfahrungsbestimmenden Wirkung, bedarf aber in besonderer Weise der interdisziplinären Reflexion. Denn die Frage der Funktionalität bzw. Funktionalisierbarkeit von religiös-spirituellen Vorstellungen ist in wissenschaftstheoretischer Hinsicht zwischen den Disziplinen höchst umstritten, für das Projekt aber gleichwohl unverzichtbar.

Insgesamt bewahrt TP 0 den theoretischen Rahmen aller Teilprojekte.

PI
Prof. Dr. Judith Gärtner

Projektmitarbeitende
Margarethe Kelm (WMA)
Lina Wilhelm (SHK)

Teilprojektbeschreibung
Das Teilprojekt 1 „Resilienz im Gebet: Klage als spirituelle Ausdrucksform von Angst und Zuversicht“ bemüht sich darum, Resilienz als Interpretationskategorie für alttestamentliche Klagepsalmen zu analysieren. Bei der Bearbeitung und Systematisierung der Texte wird der Frage nachgegangen, inwiefern diese als Resilienznarrative verstanden werden können, welche der Not nicht nur Ausdruck verleihen, sondern auch als sinnstiftende Erfahrung im Spannungsfeld zwischen Aushalten und Gestalten der Not gelten können.

Voraussetzung ist hierbei eine interdisziplinär erarbeitete Resilienzdefinition, die in einem ersten Schritt im Gesamtprojekt gewonnen werden soll. Auf der Grundlage der alttestamentlichen Anthropologie sowie der religionsgeschichtlichen Forschung werden anschließend die Klagepsalmen und insbesondere die sogenannten „Krankheitspsalmen“ , welche das individuelle körperliche und psychische Leiden eines paradigmatischen Sprechers thematisieren, analysiert sowie auf ihre Eignung als Resilienznarrativ ausgewertet. Vielversprechend erscheinen die Krankheitspsalmen als Materialgrundlage hierfür wegen ihrer inhaltlichen Thematisierung von Krise sowie wegen der Form der Klage. Erstere zeigt eine Auseinandersetzung mit der Prozessualität und Ambiguität von Krise als Ohnmachtserfahrung und letztere ist ein Ausdruck des Ringens um Lebenssinn.

Das Ziel ist es somit, Sprachmuster und Semantiken in den Psalmen auf Resilienznarrative und -faktoren so zu hinterfragen, dass heutigen Lesern nicht nur eine bessere Erschließung der alttestamentlichen Texte durch die Qualifizierung als Resilienznarrativ ermöglicht wird, sondern auch dass die Klagespsalmen wegen ihrer Komplexität und Vielschichtigkeit von Krisenerfahrungen einen Beitrag zur Resilienzdiskussion leisten können, um gewinnbringend in gegenwärtige seelsorgerliche, therapeutische und medizinische Internventionen eingebracht werden zu können.

PI
Prof. Dr. Cornelia Richter1
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Projektmitarbeitende
Dr. Katharina Opalka (WMA)67
Marvin Gärtner (SHK)

Kooperationspartner
Prof. Dr. Simon Peng-Keller (Universität Zürich)7

Teilprojektbeschreibung
Kreuz und Auferstehung als Resilienznarrative in Theologie und ökumenischer Spiritualität

Wovon kann erzählt werden, wenn das Erzählen angesichts von Tod und Leiden eigentlich an ein Ende gekommen ist – und wie können diese Erzählungen für Resilienz relevant werden? Das ist ganz grundlegend die Problemstellung, die im Rahmen der Frage nach „Resilienznarrativen“ in Teilprojekt 2 unter der Leitung von Prof. Dr. Cornelia Richter und Prof. Dr. Simon Peng-Keller untersucht wird.

Dazu werden mit „Kreuz“ und „Auferstehung“ zwei Elemente der christlichen Tradition in den Blick genommen: In den vielfältigen, polyvalenten biblischen Erzählungen von „Kreuz“ und „Auferstehung“, vornehmlich den Passions- und Ostererzählungen, finden sich narrative Elemente, die von existentiellen Krisen und dem Umgang mit diesen erzählen – ohne diese Krisen immer aufzulösen. „Kreuz“ und „Auferstehung“ werden dabei als Narrative verstanden, die für Resilienz relevant werden können. Was das bedeutet, wird im Dialog mit den anderen Teilprojekten ausgeführt: Unser Verständnis von Resilienz erschließt sich aus Narrativen, die resilienzrelevant erscheinen, während gleichzeitig die Präzisierung des Resilienzbegriffes unsere Sicht auf resilienzrelevante Narrative verändert. Im Teilprojekt werden nun exemplarisch zwei sehr unterschiedliche Typen des Umgangs mit den Narrativen von „Kreuz“ und „Auferstehung“ in den Blick genommen: Die existentiell und interdisziplinär ausgerichtete Theologie Paul Tillichs (1886-1965) – und die spirituelle Praxis in der ökumenischen Communauté de Taizé.

Tillich denkt Kreuz und Auferstehung als Symbole des christlichen Glaubens im Rahmen seines existentiell-ontologischen Programms durch: Es erfordert den „Mut zum Sein“ um sich angesichts von existentieller Verzweiflung und Sinnlosigkeit dennoch, trotzdem als akzeptiert und bejaht zu wissen. Diese Haltung zielt auf eine Form der Überwindung von Krisen, in der – letzten Endes und kontrafaktisch – ein Imperativ der Hoffnung gilt, trotz aller Zweideutigkeiten des Lebens. Inwiefern diese Haltung der Hoffnung und (Selbst-)Bejahung trotzdem für wen und in welchen Krisen relevant werden kann, wird im Rahmen des gesamten Projektes entwickelt/diskutiert.

In Taizé ist das Narrativ des Kreuzes zentraler Teil der liturgisch-spirituellen Praxis, verdichtet im wöchentlichen „Gebet am Kreuz“ am Freitagabend, das exemplarisch im Projekt untersucht wird: Inwieweit lassen sich die spirituell-emotionalen Erfahrungen, die in dieser Praxis zum Ausdruck kommen als Form einer Verarbeitung von Krisen beschreiben – oder werden selbst krisenhaft? Was geschieht, wenn existentielle Anliegen in einem hoch narrativ und normativ aufgeladenen Kontext ganz leiblich und ohne reflexive Distanz „ans Kreuz gebracht“ werden?

„Kreuz“ und „Auferstehung“ als Resilienznarrative sind in komplexer Weise aufeinander bezogen: Was bedeutet es, von Kreuz und Auferstehung so zu reden, dass in der Rede vom Kreuz schon die Auferstehung enthalten ist und in der Rede von der Auferstehung immer noch das Kreuz mitschwingt? Das ist sprachlich schwierig umzusetzen, in der grafischen Gestaltung, so in dem obigen Bild von Gerhard Mevissen, Heimstatt Passion, leuchtet es eher ein: Das Dunkle schwingt im Hellen mit, das Helle durchbricht das Dunkle, beides kann nicht aufeinander reduziert werden.

PI
Prof. Dr. Thiemo Breyer

Projektmitarbeitende
Apl. Prof. Jagna Brudzińska (WMA)
Bernd Quante (SHK)

Teilprojektbeschreibung
Das Teilprojekt 3 mit dem Titel „Empathie und Resilienz. Phänomenologische Untersuchungen zu den Resilienzpotentialen von interpersonaler Resonanz“ beschäftigt sich mit Fragen, wie zwischenmenschliche Beziehungen resilienzförderliche oder auch resilienzhinderliche Wirkungen entfalten können. Es widmet sich dabei der Empathie als Medium der Interaktion und der wechselseitigen Verständigung zwischen Menschen und ist auf philosophische Weise darum bemüht zu klären, welche verschiedenen Dimensionen von Empathie und erlebter Verbundenheit zwischen Menschen als Resonanzerfahrung sowie als spirituelles Selbstverständnis sich unterscheiden lassen und welchen Zusammenhang diese zum Umgang mit erlebten Lebenskrisen haben (können).
Hierzu werden Aspekte der wechselseitigen Resonanz in unterschiedlichen Bereichen der Sorge in der gesundheitlichen Versorgung untersucht und der wissenschaftstheoretische Stellenwert des Empathiekonstruktes im interdisziplinären Forschungsfeld zwischen Medizin und Theologie reflektiert. Auf der Basis einer Theorie verkörperter (Inter-)Subjektivität und mittels eines hermeneutischen Vorgehens wird dabei adressiert, wie sich Resilienz als Erfahrungsstruktur bestimmen lässt bzw. inwiefern Empathie als interpersonelles Resonanzphänomen auf leiblicher, affektiver und kognitiver Ebene beim Umgang mit Krisen einzubeziehen ist. Dazu werden sowohl aktuelle Theorien des Selbst als auch der Empathie so durchdrungen, dass sich die entsprechenden Resilienzformen auf unterschiedlichen Ebenen näher bestimmen lassen und medizinische wie seelsorgerische Interventionen dahingehend analysiert werden, durch welche professionellen Empathieleistungen sie auf welcher Ebene die Auseinandersetzung mit Lebenskrisen begleiten oder eine solche ermöglichen.

PI
Prof. Dr. Dr. Jochen Sautermeister101010

Projektmitarbeitende
Viktoria Lenz (WMA)1111
Louise Lentfort (SHK)

Teilprojektbeschreibung
Im Rahmen des Teilprojekts 4 „Achtsamkeit in anthropologischer Perspektive“ wird das Verhältnis von Resilienz, Achtsamkeit und Spiritualität aus anthropologisch begrifflicher Sicht reflektiert und dessen Einfluss auf das Aushalten und Überstehen von existentiellen Krisenerlebnissen untersucht. Aus einer moralpsychologisch orientierten theologisch-ethischen Perspektive erfolgt zunächst eine anthropologisch-begriffliche Analyse von Achtsamkeit. Im darauffolgenden Schritt wird zum einen die Resilienz-förderliche Qualität und zum anderen die Krisen- und Vulnerabilitätsfähigkeit von Achtsamkeit im Kontext von Resilienz als Subjektivierungspraxis aus theologisch-ethischer Sicht herausgearbeitet.

Ziel ist es, einerseits in enger Kooperation zu anderen Teilprojekten eine anthropologisch-ethische Kriteriologie zu entwickeln und andererseits praxisorientierte Haltungen und Übungen von Achtsamkeit zu spezifizieren.

PI
Prof. Dr. Franziska Geiser12

Projektmitarbeitende
Milena Kriegsmann-Rabe (WMA)13
Julia Katharina Matthias (WMA)
Anna Culmann (SHK)

Teilprojektbeschreibung
Fragestellung:
Der Gewinn des Projektes liegt in dem innovativen Versuch, das reichhaltige Potenzial der einschlägigen Geisteswissenschaften (Theologie, Anthropologie, Phänomenologie) an der Schnittstelle zur klinischen Psychologie, Psychotherapie und Palliativmedizin mit neuen Ansätzen in Hospizarbeit und Spiritual Care in Verbindung zu bringen.

Projektbeschreibung:
Der Begriff der Resilienz bezeichnet die manchen Menschen eigene Fähigkeit bzw. Begabung, schwere Krisensituationen selbst unter schwierigsten individuellen, psychophysiologischen oder sozialen Ausgangsbedingungen zu bewältigen. Unklar ist allerdings, inwiefern die Genese von Resilienz von genetischen bzw. psychophysischen Voraussetzungen und dem vorfindlichen familiär-sozialen Umfeld abhängt, oder Aufgabe von fördernder Pädagogik und Management bzw. Coaching ist.

Die Forschungslage ist bereits breit aufgefächert, aber in den disziplinspezifischen Ansätzen dominiert bisher die gemeinsame Perspektive des Enhancement: Resilienz soll als eine unbedingt wünschenswerte Fähigkeit zur raschen Überwindung krisenhafter Erfahrungen befördert werden, sei es durch pharmakologische, therapeutische, beratende etc. Maßnahmen. An diesem Punkt schließt sich das geplante Projekt an den Diskurs an, wobei sich aus unserem kooperativen geistes- und gesundheitswissentschaftlichen Ansatz eine hermeneutische Perspektive auf Krisenphänomene ergibt, die - ungeachtet der Notwendigkeit therapeutischer Hilfestellung! - Krisenerfahrungen von Ohnmacht, Sorge, Angst, Verzweiflung, Trauer und Verlust nicht sofort pathologisiert, sondern polyvalente Modelle für Analyse und Deutung von Krisen erschließen kann. Das Forschungsziel liegt daher in der Identifizierung und Etablierung von Modi des Aushaltens und Gestaltens von Ohnmachts-, Angst- und Sorgenphänomenen.

Ziel:
Gemeinsames Erarbeiten einer allgemeinen religions- und spiritualitätssensiblen Resilienz-Theorie zur Förderung einer entsprechenden Resilienz-Praxis in Medizin und Therapie, Seelsorge und Spiritual Care.

PI
Prof. Dr. Lukas Radbruch

Projektmitarbeitende
Katja Maus (WMA)
Frank Peusquens (WMA)

Teilprojektbeschreibung
Eine ganzheitliche Palliativversorgung basiert auf den vier Säulen Symptomkontrolle, psychische, soziale und spirituelle Begleitung. Dieser ganzheitliche Ansatz bildet den Rahmen für eine Auseinandersetzung mit Fragen, die weit über das „Erklärbare“ hinausgehen, für interdisziplinäre Behandlungsteams im Umgang mit lebensbedrohlichen Diagnosen jedoch nahezu unverzichtbar sind. Die wissenschaftliche Herausforderung dieser Fragestellungen besteht darin, wie diese Konstrukte erfasst und gemessen werden können, aber auch wo die Grenzen des Messbaren sind.

Das Forschungsprojekt partizipiert an der Resilienzforschung, indem zunächst eine Recherche in fachspezifischen Datenbanken erfolgt. Anschließend werden palliativmedizinisch relevante Konzepte wie Salutogenese, Resilienz, Kohärenz, Lebensqualität, Lebenssinn und Interventionen wie würdenzentrierte Therapie, achtsamkeitsbasierte Verfahren, Biographiearbeit diskursanalytisch betrachtet. Aus den Ergebnissen werden Hypothesen generiert, welche von Expert_innen auf dem Gebiet der benannten Konzepte und Interventionen diskutiert werden. Die Erhebungen finden sowohl im Einzelsetting als auch in Fokusgruppen statt. Zusätzlich erfolgen Fokusgruppen mit Mitarbeitenden aus spezialisierten Einrichtungen der Hospiz- und Palliativversorgung.

In einer zweiten Phase werden die Perspektiven von Patient_innen und Angehörigen mittels narrativen und halbstrukturierten Interviews erfasst. Abschließend wird anhand der Zusammenhänge zwischen den zuvor aufgezeigten Interventionen und Konzepten eine Grounded Theory erstellt. Diese verfolgt das Ziel, mögliche Inkommensurabilitäten aufzudecken und Hinweise für die Erstellung potentieller Messinstrumente hervorzubringen.

Unterstützt wird das Projekt durch die Expertise des externen Kooperationspartners, zugleich Urheber der würdezentrierten Therapie, Prof. Dr. Harvey Chochinov.

PI
Prof. Dr. Constantin Klein

Projektmitarbeitende
Stephan Bethe (WMA)

Teilprojektbeschreibung
Ziel des Teilprojekts 7 ist es, die Beziehungen zwischen Resilienz und verschiedenen Facetten von Spiritualität empirisch an einer Stichprobe von Trauernden zu untersuchen und in diesem Rahmen neue Instrumente zur Messung spirituellen Wohlbefindens zu entwickeln.

Die Komplexität beider Phänomene macht es notwendig, sowohl Spiritualität als auch Resilienz differenziert sowohl quantitativ als auch qualitativ zu erfassen, wobei in der Untersuchung neben der Verwendung von Instrumenten, die sich im Zuge der Vorarbeiten als zielführend erwiesen haben, anteilig auch neue Möglichkeiten zur Erfassung getestet werden. In zwei Arbeitsphasen werden deshalb insgesamt N = 300 Trauernde zweimal mittels eines umfangreichen Fragebogens untersucht, während eine ausgewählte Substichprobe von n = 30 Personen in einer dritten Arbeitsphase zusätzlich im Rahmen eines Interviews zu Spiritualität und Resilienz befragt werden.

Ein besonderer Fokus im Teilprojekt liegt auf der Untersuchung von Spiritualität, die in Form von Erfahrungen und Vorstellungen von Transzendenz, in Form von spirituellem Coping sowie als spirituelles Wohlbefinden und Wachstum nach einer krisenhaften Erfahrung, also dem Tod einer oder eines nahen Angehörigen, erfasst wird. Damit wird der im Rahmenantrag des Gesamtprojekts vorgenommenen Charakterisierung von Spiritualität als interindividuell variierendem, dynamischem, multidimensionalem Transzendenzbezug entsprochen. In ähnlicher Weise wird auch der Komplexität und Dynamik von Resilienz i. S. der formulierten Arbeitsdefinition Rechnung getragen, indem Resilienz einerseits anhand bestehender, verhältnismäßig etablierter Resilienzmaße erfasst wird, die bisher ganz überwiegend auf den Fähigkeitsaspekt von Resilienz abheben, aber auch in Form einer spezifischen Konfiguration von Persönlichkeitsmerkmalen, über ausführliche Interviews und insbesondere mittels des in Teilprojekt 5 neu zu entwickelnden Resilienzinstruments.

PI
Prof. Dr. Eberhard Hauschildt

Projektmitarbeitende
Arndt Bialobrzeski (WMA)
Saskia Held (SHK)

Teilprojektbeschreibung
Das Teilprojekt 8 untersucht im Rahmen von Gruppendiskussionen, wie und anhand welcher Narrative Menschen in einer beruflichen oder ehrenamtlichen Caretaker-Rolle in Kliniken mit vulnerablen Patientinnen und Patienten interagieren und ihre Resilienz zu stärken versuchen. Besondere Berücksichtigung findet dabei die potentiell vorhandene religiös-spirituelle Ebene, da sich Spiritualität (bzw. Religion) genauso in interaktiven, dynamischen Prozessen vollzieht wie Resilienz.

Solche Prozesse finden häufig in Krisensituationen statt, in denen es zu emotional bedrängenden Unsicherheiten kommt und das Umfeld, besonders im klinischen Setting, auf ihre Mitmenschlichkeit hin angesprochen wird und sich dazu verhalten muss. Zentrales Element des Teilprojektes 8 bilden daher die durchzuführenden Gruppendiskussionen mit den beruflichen und ehrenamtlichen Care-Takern, die anhand der Dokumentarischen Methode nach Ralf Bohnsack ausgewertet werden, die zu den Standards qualitativer Sozialforschung gehört. Die Auswertungen werden im Austausch mit den anderen Teilprojekten diskutiert und die zu erwartenden Erträge für die Theorie seelsorgerlicher Arbeit zusammengeführt. Damit soll ein eigener Beitrag zum Ziel des Gesamtprojekts geleistet werden, eine interdisziplinär verantwortete, religions- und spiritualitätssensible Resilienztheorie zur Förderung einer entsprechenden Resilienzpraxis in Medizin, Therapie, Seelsorge und Spiritual Care zu erarbeiten.

Unterstützt wird das Teilprojekt 8 durch die sozialwissenschaftliche Expertise von Frau Prof. Dr. Claudia Schulz, Professorin für Theorie und Praxis der Diakoniewissenschaft und der Sozialen Arbeit an der Ev. Hochschule Ludwigsburg.

Lesen Sie auch

Über das Projekt

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Team

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Veranstaltungen

Vergangene und kommende Veranstaltungen des Projekts.

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