Projekte

Erhalten Sie einen Überblick über die Projekte, an denen in der Abteilung für Systematische Theologie derzeit gearbeitet wird. Wenn Sie Näheres zu den einzelnen Projekten wissen möchten, wenden Sie sich gern an die genannten Ansprechpersonen.

Prof. Dr. Cornelia Richter

Lernen Sie die aktuellen Projekte von Prof. Dr. Cornelia Richter kennen, die an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn seit 2012 den Lehrstuhl für Systematische Theologie und Hermeneutik innehat.

Prof. Dr. Cornelia Richter
© Barbara Frommann / Universität Bonn

Die Projekte im Überblick

Zugehörige Projekte

  1. DFG-FOR 2686 "Resilienz in Religion und Spiritualität. Aushalten und Gestalten von Ohnmacht, Angst und Sorge", Förderung September 2019 – August 2022 (zur Homepage)
  2. VW-Projekt "The role of transcultural semantics and symbols for resilience during the Corona pandemic – a hermeneutic approach to historical and intercultural expressions of severe crisis", Laufzeit 18 Monate
  3. DFG-Einzelprojekt "Trajectories of perceived stress and resilience through the crisis and the influence of semantic representations of SARS-CoV-2 in healthcare and pastoral/spiritual care workers", gemeinsam mit Prof. Dr. Franziska Geiser, Bonn und Prof. Dr. Lukas Radbruch, Bonn; Beginn Oktober 2021, Laufzeit 36 Monate

Die Evangelisch-theologische Fakultät der Universität Bonn steht in der Tradition der Vermittlungstheologie wie der im 20. Jahrhundert scharf geführten Auseinandersetzungen um die sogenannte "liberale Theologie". Die theologiegeschichtliche Zuordnung liberaler Theologie lässt sich im Sinne einer Ahnengalerie zwar mit den Namen von Semler und Schleiermacher, von Albrecht Ritschl, Wilhelm Herrmann und Adolf von Harnack, später sogar Rudolf Bultmann verbinden, aber eine einheitliche und/oder klar abgrenzbare Schule hat sie nicht gebildet. "Liberal" meint auch nicht die gängige politische Parteienbezeichnung, sondern steht im Sinne eines "Arbeitstitels" für das Programm einer Verzahnung der Religion mit Kultur, Wissenschaft, Politik und Kunst bei gleichzeitiger kritischer Wahrnehmung und Analyse jeweils zeitgenössischer öffentlicher wie privater Lebensformen. Damit geht einher die Konzentration des christlichen Glaubens auf dessen ethische Bedeutung für Personalität und Lebensführung. Harte Offenbarungsansprüche sind in dieser Tradition in den Hintergrund getreten zugunsten der Konzentration auf ein mündiges und aufgeklärtes Christentum, das den Akzent auf die innere Erfahrung von Glaubensvollzügen legt.

Im Kontext der gegenwärtigen interkulturellen wie interreligiösen Spannungen und Verständigungsprozesse gewinnt diese Linie zunehmend an Bedeutung und prägt mittlerweile die Mehrheit der theologischen Lehrstühle Deutschlands; so auch in Bonn, obwohl diese Fakultät zugleich bleibend und völlig zu Recht mit dem Namen Karl Barths verbunden bleiben wird. Zu den bedeutendsten Forschungsergebnissen der liberalen Tradition zählen die extensive Auseinandersetzung mit dem Religions- und Kulturbegriff sowie die Bedeutung der Medialität (z.B. Symbol, Metapher, Bild, Narration, Interpretation, Deutung etc.), wobei die Forschung in Deutschland allerdings über weite Teile einer traditionsverbundenen, zuweilen gar ins Hagiographische tendierenden Historisierung verhaftet bleibt. Das Potential für eine explizit – so auch von Barth geforderte – theologische Gestaltung der Theologie selbst wie die Frage nach Ausdruck bzw. neuen Ausdrucksformen gegenwärtiger liberaler religiöser Frömmigkeit ist hingegen noch wenig ausgeschöpft, zumindest solange sie nicht in der Ästhetik aufgeht. Diese Frage ist jedoch von höchster Bedeutung, denn nur eine aufgeklärte und der allgemeinen Kultur zugewandte liberale (oder auch unter neuem Namen zu findende!) Frömmigkeit schützt vor einer fundamentalistischen Instrumentalisierung religiöser Vorstellungen.

Perspektivisch ließe sich die Frage nach Liberalität (bzw. einem möglicherweise neu zu bestimmenden "Arbeitstitel") und Frömmigkeit – u.a. im Kontext des Programms einer Theorie des Christentums – zu einem größeren Projekt ausbauen, zumal sich die Problematik keineswegs auf den Protestantismus beschränkt, sondern in konfessioneller und religiöser Variation ebenso für die katholische Tradition wie für den Islam gilt. Zudem ist die aktuelle Frage nach der Medialität bzw. medialen Transformation religiöser Gehalte, Vollzüge und Strukturen, wegweisend für Wahrnehmung, Analyse und zeitgemäße Orientierung religiöser Vorstellungen. In jedem Fall aber ist auch solch eine Theorie des Christentums nur im Sinne einer Theologie in existentieller, lebensnaher Dringlichkeit zu verstehen.

Zugehörige Projekte
(Details siehe Qualifikationsprojekte)

  • Matthew Ryan Robinson, Ph.D.: The Be.Friend Projekt
  • Katharina Opalka: "Das Geheimnis des religiösen Menschen vor sich selbst". Die Demut als performativer Vollzug - Überlegungen anhand einer Relecture Albrecht Ritschls
  • Ann-Kathrin Armbruster: Philipp Melanchthons theologische Anthropologie. Ein Beitrag zur Tugendethik
  • Jennifer Lackmann: Die Gegenwart Gottes - Eine hermeneutische Untersuchung der religiösen Rede von "Gottes Nähe" unter besonderer Berücksichtigung von Wittgenstein, Cassirer und den klassischen hermeneutischen Theologien von Fuchs, Ebeling und Jüngel
  • Daniel Rossa: Leere voller Gott – Die Fruchtbarkeit negativer Theologie für die Dogmatik
  • Clara Winden-Lee: Duftende Knospen - Emotive Sprache und hermeneutisches Selbstverständnis in Friedrich Schleiermachers Reden "Über die Religion"

Agency und Integrität angesichts der großen Herausforderungen. In Zusammenarbeit mit der Transdisciplinary Research Area "Individuen, Institutionen und Gesellschaften44" der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Koordination: David Renz (WHF)

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Prof. Dr. Folkart Wittekind
© –

Prof. Dr. Folkart Wittekind

Lernen Sie die aktuellen Projekte von Prof. Dr. Folkart Wittekind kennen, der an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn seit 2021 den Lehrstuhl für Systematische Theologie/Dogamtik und Ethik innehat.

Die Projekte im Überblick

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Qualifikationsprojekte

Lernen Sie die Habilitations- und Dissertationsprojekte kennen, an denen an der Abteilung für Systematische Theologie der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn derzeit gearbeitet wird. Auch kürzlich abgeschlossene Projekte finden Sie in der folgenden Übersicht.

Qualifikationsprojekte
© Volker Lannert / Universität Bonn

Qualifikationsprojekte der Abteilung für Systematische Theologie

Habilitationsprojekt von Dr. Katharina Opalka

Promotionsprojekt von Thorben Alles

Die Dissertation geht den Fragen nach, was Begründungen sind und wie deren Beurteilung funktioniert. Darauf aufbauend sollen theologische und wissenschaftstheoretisch-theologische Fragen zu Abschlüssen, Ganzheiten und Letztbegründungen thematisiert werden.

Promotionsprojekt von Ann-Kathrin Armbruster

In meiner Dissertation gehe ich der Frage nach, welche Rolle bildhafte Rede, Bilder und Narrationen zu materialdogmatischen Topoi im Aneignungsprozess der Inhalte spielen. Anhand der Rezeptionsgeschichte der Ovidischen Medea problematisiere ich hierfür zunächst, wie einseitig-reduktionistische Lesarten hermeneutische Prozesse in ihrer Multidimensionalität verhindern. Über eine theoretische Klärung des Figurationsbegriffs nähere ich mich der These, dass Hermeneutische Figurationen als Prozesse zwischen Rezipient:in und Text und/oder Bild im Rahmen anthropologischer Kategorien beschrieben werden können und dies in methodischer Hinsicht ein Verständnis von Aneignungsprozessen unterstützt.

Philipp Melanchthon eignet sich hierfür als Referenz, da seine Werke sich durch eine enge Verflechtung von Methodologie, Methodik, Materialdogmatik und Praxisbezug auszeichnen, wenn auch unter dem Vorzeichen einer vorkritischen Theologie. Damit eignen sich seine Werke sowohl für theoretische Überlegungen wie auch die Analyse eines Versuchs der Umsetzung der oben genannten Fragestellung.

Promotionsprojekt von Anne-Kristin Dillmann (Universität Köln)

Die Frage nach dem Glück begegnet Schülerinnen und Schülern häufig zunächst im Zusammenhang mit Spaß, der für sie greifbarer und leichter zugänglich erscheint. Spätestens in Krisensituationen jedoch gelangt das Konzept des Spaßes bzw. des momenthaften Glücks an seine Grenzen. Hier bedarf es eines umfassenderen Konzepts des Glücks, das auch das Unglück miteinschließt, das Gefühl von Sinnhaftigkeit auch in der Krise ermöglicht. Auch wenn die Theologie in ihrer Geschichte häufig zurecht darauf verwiesen hat, dass Glück im Sinne einer lustvollen "spaßigen" Erfahrung nicht den Kern eines christlichen Glücksverständnisses treffen kann, so kann sie dennoch einen relevanten Beitrag zur Frage nach dem Glück leisten (vgl. Lauster 2004).

Die Arbeit möchte erproben, das spezifisch theologische Glück dabei von der christlichen Hoffnung her zu verstehen, die ganz im Sinne einer präsentischen Eschatologie verstanden (vgl. Moltmann 1964) lebensverändernd und lebensbejahend sein kann. Sie geht dabei noch über Augustins Ansatz hinaus, da sie annimmt, dass nicht in der augustinischen "Suche nach Gott", sondern in der Hoffnung der Zustand eines sinnhaften Glücks eintritt, das in der Glaubensgewissheit trotz des eschatologischen Vorbehalts bereits jetzt in umfassender Weise das Leben durchdringt. Auch wenn man von einer Teilhaftigkeit des Glücks sprechen kann, so ermöglicht diese dennoch als paradoxe Gewissheit eine Vollkommenheit des Glücks schon hier auf Erden.

Ein so verstandenes Glück erscheint deshalb als äußert relevant gerade für Schülerinnen und Schüler, weil es zum einen die Momenthaftigkeit des im Spaß empfundenen Glücks übersteigt und zum anderen ein Glück ist, das gerade nicht greifbar oder erlernbar ist, sondern sich ungeachtet möglichen Unglücks und der eigenen Fähigkeiten in der Hoffnung einstellt. Die geplante Dissertation möchte daher denkbare und aus Sicht der Theologie notwenige Konkretisierungen dieses spezifisch theologischen Glücks, das in der Hoffnung gründet, für den Religionsunterricht aufzeigen.

Promotionsprojekt von Jennifer Lackmann: Eine hermeneutische Untersuchung der religiösen Rede von "Gottes Nähe" unter besonderer Berücksichtigung von Wittgenstein, Cassirer und den klassischen hermeneutischen Theologien von Fuchs, Ebeling und Jüngel

Das Dissertationsprojekt untersucht die Bedeutung der Philosophien Ludwig Wittgensteins und Ernst Cassirers für eine theologische Hermeneutik. Ausgehend von Wittgensteins und Cassirers Implikationen für eine Rede von Transzendenz werden Ernst Fuchs, Gerhard Ebeling und Eberhard Jüngel als prominente Vertreter theologischer Hermeneutik in den Blick genommen und einer kritischen Analyse unterzogen. Die Pneumatologie als Reflexionsfigur göttlicher Präsenz ist dabei konsequenter Bezugspunkt, so dass die Frage beantwortet werden soll, wie theologisch-hermeneutisch plausibel davon gesprochen werden kann, dass Gott nahe ist. Überlegungen zu möglichen Konsequenzen für das kirchliche Handeln und die individuelle Frömmigkeit bilden den Abschluss des Projekts

Promotionsprojekt von Mirja Petersen

Theologie ist herausgefordert, auf polyvalente individuelle und kollektive Lebenserfahrungen zu reagieren, ohne dabei rein responsiv-situativ zu werden oder Deutungsmuster als einfache Wahrheitsaussagen anzubieten. Eine „situative Dogmatik“ möchte situativ reflektiert und erfahrungsorientiert sein und auf existentielle Herausforderungen in situativer Polyvalenz eingehen können. Um die Tauglichkeit des theoretischen Konzepts einer situativen Dogmatik erproben zu können und die hierfür benötigte Kriteriologie zu schärfen, bedarf es aber der Erprobung in historischer Distanz, wenn auch möglichst nahe an den Erfahrungs- und Existenzbegrifflichkeiten bzw. am Deutungsbegriff der Moderne.

Es empfiehlt sich daher der Rückgriff auf eine historisch gut verortbare, in den Schriften sowie im Kontext gut rekonstruierbare Position, was anhand von Paul Althaus d. J. (1888-1966), einem bis heute strittigen lutherischen Theologen versucht werden soll. Weil Althaus auf besonders markante und expressive Weise von der Lebenswirklichkeit und den Erfahrungen der Menschen ausgeht, ist eine kritische Reflexion seiner Erfahrungstheologie ein gut möglicher Startpunkt für den Entwurf einer Theologie, die situativ, erfahrungsorientiert und existentiell ist, ohne dass Althaus selbst mit dem Begriff des Situativen bereits gearbeitet hätte. Die Forschungsthese lautet also, dass sich an der Rekonstruktion von Althaus‘ Theologie, eingeordnet in seine Zeit und Begrifflichkeit, die Kategorien einer sog. „situativen Dogmatik“ genauer bestimmen lassen; anders gesagt: es geht anhand der Rekonstruktion seiner Position um die heuristische Begriffsfindung, Präzisierung und Vertiefung des Konzepts „situativer Dogmatik“.

Promotionsprojekt von Daniel Rossa

Das Promotionsprojekt setzt sich in einem ersten Teil mit dem Begriff der Negativen Theologie, dessen Abgrenzung zu anderen Bezeichnungen gleicher oder ähnlicher theologischer bzw. religiöser Richtungen, Text- und Phänomenbestände sowie mit der historischen und gegenwärtigen Vielfalt und Unschärfe seiner Verwendung insbesondere in Programmen Negativer Theologie auseinander. Die hieraus gewonnene, sich historisch-deskriptiv andeutende Anreicherung des Phänomenbestands und Begriffs soll dabei nicht normativ abgeblendet werden, sondern zu einer auf bisherige Ordnungsversuche zurückgreifende Typologie Negativer Theologien im Sinne der Aspektierung ihres Programms führen, sodass innerhalb der so entstehenden Typologie verschiedene auch neue Ansätze verorten lassen.

Ein zweiter Teil untersucht exemplarisch die Negative Theologie im Werk Gregors von Nyssa und weist dabei die integrative Kraft seiner Theologie in Hinblick auf die verschiedenen, in Teil I aufgezeigten Aspekte Negativer Theologie auf, die sich auch daraus speist, dass Gregor der „klassischen“ Wirkungsgeschichte Negativer Theologie bis ins 20. Jahrhundert enthoben blieb, was hilft, normative Engführungen des Verständnisses Negativer Theologie, wie sie sich bisher insbesondere in der protestantischen Rezeption Negativer Theologie finden, zu öffnen. Dazu unternimmt dieser Teil eine Relecture Gregors im Sinne einer gegenwartsinteressierten Deutung, die es vermag, Motive vermeintlich erst in der Neuzeit entwickelter negativ-theologischer Zugänge bereits als Spuren in Gregors Werk angedeutet zu finden. Besonderes Augenmerk wird bei dieser Untersuchung weniger auf die Markierung Negativer Theologie in den theologisch-philosophischen Werken und Schriftauslegungen Gregors gelegt, die innerhalb des Forschungsdiskurses zu Gregor bereits gut gesichert sind. Stattdessen wird ausgehend von Diskursbeiträgen zu Gregor und mit Blick insbesondere auf eine Gruppe seiner Predigten der Zusammenhang von Negativer Theologie und ästhetischer Gestaltung in Gregors gottesdienstlicher (und literarischer) Inszenierung als Konsequenz und eigenständige Gestalt(ung) Negativer Theologie herausgearbeitet.

Ein dritter Teil zieht Konsequenzen aus den Teilen I und II für die Möglichkeit der Konzeption eines negativ-theologischen Programms im Sinne einer Negativen Theologie ästhetischer Gestalt(ung), indem es Einsichten aus Teil I und II mit An- und Einsichten gegenwärtiger (praktisch-)theologischer Diskurse zu Gottesdienst, Kirchenraum und Ästhetik und konkreten Beispielen aus Kirche und Kunst ins Gespräch bringt.

Promotionsprojekt von Sebastian Schmidt (derzeit unterbrochen)

Über den performative turn, der in den letzten Jahrzehnten die Theoriebildung in den Kulturwissenschaften erheblich geprägt hat, haben sich wichtige Schnittpunkte zwischen theologischer und kulturwissenschaftlicher Forschung ergeben: Zum einen wurde im Blick auf die Reflexion religiöser Praxis, insbesondere im Bereich der Gottesdiensttheologie, auf kulturwissenschaftliche Ansätze zu einer Ästhetik des Performativen Bezug genommen (u.a. bei Alexander Deeg, Ursula Roth, David Plüss). Zugleich rückte in den kulturwissenschaftlichen bzw. philosophischen Ansätzen zur Reflexion auf Performanz die Kategorie des ‚Ereignisses‘ wieder neu in den Fokus (u.a. bei Erika Fischer-Lichte, Dieter Mersch); die damit beschriebene Selbstwirksamkeit und Entzogenheit performativer Prozesse hat Parallelen in der religionshermeneutischen Beschreibung religiöser Erfahrung, mitunter lassen sich auch offenbarungstheologische Strukturen entdecken. Was macht ein Performanzgeschehen zu einem religiösen?

Dieses Dissertationsprojekt hat sich die Aufgabe gesetzt, von theologischer Seite her Kriterien für eine Ästhetik des Performativen zu erarbeiten. Den Weg dafür eröffnet eine an der Performanztheorie orientierte Relecture von Luthers Wort- und Gottesdiensttheologie. Anschließend wird in der Auseinandersetzung mit Karl Barths "Ereignis"-Begriff und mit Konzepten der französischen Phänomenologie (Jean-Luc Marion, Paul Ricoeur) das entwickelte theologische Performanzkonzept weiter geschärft. Ziel ist dabei sowohl ein religionsphilosophischer Beitrag zum Diskurs um die Performanztheorie als auch die Erarbeitung einer Grundlegung für eine evangelisch-theologische Ästhetik des Performativen. Der evangelische Gottesdienst kommt dabei insofern als paradigmatisch in den Blick, als das in der Reflexion auf das gottesdienstliche Geschehen liturgietheologisch immer schon die Frage der Gottesgegenwart mit den Grundfragen der Ästhetik vermittelt werden muss. Wie hilft die Bezugnahme auf die Performanztheorie, diese Form des gemeinsamen religiösen Vollzugs klarer zu beschreiben?

Promotionsprojekt von Clara Winden-Lee (Universität Köln)

Die Reden "Über die Religion" sind ein Werk Friedrich Schleiermachers, in welchem bildhafte und anschauliche Sprache einhergehen mit wissenschaftlichen Denkbewegungen auf höchstem Niveau und systematischen Begrifflichkeiten. Im Untersuchungsfokus der Dissertation steht die Frage, ob Sprache bei einer bildhaften Darstellung des Sachverhaltes des Wesens von Religion durch ihre offenen Interpretationsmöglichkeiten die sinnliche Erfahrung von Religion durch sprachlichen Ausdruck, wenn schon nicht darstellen, so doch in besonderer Weise sinnhaft nachvollziehbar und damit erlebbar macht. Ähnlich wie das religiöse Gefühl und die Anschauung als "Abspiegelung des transzendenten Grundes" (Ursula Frost: Einigung des geistigen Lebens. Zur Theorie religiöser und allgemeiner Bildung bei Friedrich Schleiermacher. Paderborn/ München/ Wien/ Zürich 1991, 189.) gesehen werden können, werden bildhafte Beschreibungen und poetischer Sprachstil in den Reden versuchsweise gesehen als Abspiegelung einer ästhetisch-sinnlichen Erfahrung des Wesens von Religion.

In einem ersten Schritt werden Poesie- und Sprachkonzeptionen der frühromantischen Umwelt Schleiermachers als mögliche Einflussfaktoren kritisch in Betracht gezogen. Im zweiten Schritt werden Schleiermachers eigene sprachtheoretischen Gedanken zur Sprache unter der Leitfrage bearbeitet, inwieweit poetische Sprache in ihrer Möglichkeit als Ausdrucksmittel von individuellem Gefühl wahrgenommen wird. In einem dritten Schritt werden interdisziplinär linguistische Forschungsuntersuchungen zur Interaktion von Sprache, Emotion und Kognition in den Blick genommen und für die Frage nach der Wirkung bildhafter Sprache in religiöser Rede fruchtbar gemacht. Die Überprüfung der Arbeitshypothesen und ihre Anwendung findet dann in einem vierten Schritt in der textnahen Analyse der Reden statt. Ziel der Untersuchung soll darüber hinaus sein, die Überlegungen zum Konnex von Sprache, Denken und Gefühl bei Schleiermacher für ein Verständnis von evangelischer Theologie fruchtbar zu machen, welche sowohl "vernünftig" ist als auch, auf sinnlich- emotionaler Ebene, lebensnah.

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