Gerade in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Spannungen, wachsender sozialer Ungleichheit und globaler Herausforderungen wie dem Klimawandel geraten menschenrechtliche Standards unter Druck. Der Besuch der Schüler:innen bot daher eine wertvolle Gelegenheit, junge Perspektiven kennenzulernen und mit ihnen über die Aktualität, Verletzbarkeit und Zukunftsfähigkeit der Menschenrechte ins Gespräch zu kommen.
Pitch: Kreative Zugänge zur Meinungsfreiheit
Nach der Ankunft der Schüler:innen in Bonn begann der Tag gleich mit der Präsentation der Wettbewerbsbeiträge, die im Rahmen des Europäischen Schülerwettbewerbs Anfang nächsten Jahres eingereicht werden sollen. Die Elftklässler:innen wählten ihren Projektfokus im Vorfeld und entwickelten unter der Überschrift „Die Gedanken sind frei...oder doch nicht?“ in vielfältigen Medienformaten – in Texten, Zeichnungen, Podcasts, Videos und selbst programmierten Spielen – Projektideen zur Meinungsfreiheit.
In jeweils 60-sekündigen Pitches stellten die Schüler:innen ihre Konzepte vor, gefolgt von einer vierminütigen Fragerunde und einem strukturierten Feedback seitens des Lehrstuhl-Teams (Matthias Braun, Anna Lene Strauß und Carla Spielmann). Die Schüler:innen zeigten auf kreative Art und Weise, wie Gedanken manipuliert werden und wie wir uns vor negativer Beeinflussung schützen können. Die Beiträge reichten von allgemeinen Reflexionen zur Meinungsfreiheit über Erfahrungen mit Diskriminierung bis hin zum Umgang mit Falschinformationen in Sozialen Netzwerken.
Stadtrundgang: Menschenrechte in Bonn
Im Anschluss folgte ein thematischer Rundgang durch die Bonner Innenstadt und über das Universitätsgelände. Die Stadt als ehemaliger Regierungssitz und Ort zentraler demokratischer Institutionen bot einen anschaulichen Rahmen, um exemplarisch über geschichtliche Entwicklungen und gegenwärtige Herausforderungen von Grund- und Menschenrechten zu diskutieren. Die Schüler:innen setzten sich mit historischen Wegmarken wie dem Bonner Rathaus, der Schlosskirche oder dem Hofgarten ebenso auseinander wie mit aktuellen politischen Spannungsfeldern, die den Schutz von Freiheits- und Teilhaberechten berühren.
So diskutierten die Schüler:innen im Arkadenhof des Hauptgebäudes der Universität über die Frage der Bedeutsamkeit sowie der Grenzen von Wissenschaftsfreiheit als Ausprägung des Art. 5 GG am Beispiel der Pandemie. In ihren Wortbeiträgen stellten sie zum einen fest, dass Wissenschaft die Funktion erfüllen müsse, den Wissensbedarf von Staat und Gesellschaft zu stillen. Denn der Staat selbst verfüge schließlich bei Weitem, so die Schülerinnen und Schüler, nicht über einen Wissensvorsprung, der seine Herrschaft legitimieren könne. Vielmehr müsse er sich die für die Entscheidungsfindung notwendigen Informationen oftmals erst beschaffen.
Zum anderen sahen die Schüler:innen die Grenzen der Wissenschaftsfreiheit dann erreicht, wenn Grundrechte Dritter oder andere Verfassungsrechtsgüter bedroht oder auch menschenfeindliche, antidemokratische und nationalistische Einstellungen der Wissenschaftler:innen in ihren Arbeiten reproduziert würden.
Mitwirkung am Demokratieprojekt
Nach einer gemeinsamen Mittagspause in der Mensa nutzten die Jugendlichen die Gelegenheit, selbst Feedback zu einem lehrstuhleigenen Projekt zum Thema Demokratiebildung an deutschen Schulen zu geben. Die Diskussion und die Partizipation der Schüler:innen verdeutlichten, wie relevant die Themen Demokratie und Teilhabe aus Sicht junger Menschen sind und wie wichtig es gerade deswegen ist, ihnen frühzeitig Räume für Reflexion, Kritik und Kreativität zu eröffnen.
Ausblick
Gegen 14 Uhr endete der Besuch mit der Abreise der Schüler:innen. Zurück blieb der Eindruck eines äußerst engagierten Austauschs, der deutlich machte, dass Menschenrechtsbildung dort besonders wirksam ist, wo sie Erfahrungsräume öffnet, Perspektiven ernst nimmt und dialogisch arbeitet. Der Lehrstuhl für Sozialethik wird auch künftig Formate fördern, in denen wissenschaftliche Expertise und junge Stimmen gemeinsam dazu beitragen, die Bedeutung der Menschenrechte für die deutsche Gesellschaft und Europa sichtbar zu machen.