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TP 2: Kreuz und Auferstehung als "Resilienznarrative" in Theologie und ökumenischer Spiritualität

Teilprojektbeschreibung

Kreuz und Auferstehung als Resilienznarrative in Theologie und ökumenischer Spiritualität

Wovon kann erzählt werden, wenn das Erzählen angesichts von Tod und Leiden eigentlich an ein Ende gekommen ist – und wie können diese Erzählungen für Resilienz relevant werden? Das ist ganz grundlegend die Problemstellung, die im Rahmen der Frage nach „Resilienznarrativen“ in Teilprojekt 2 unter der Leitung von Prof. Dr. Cornelia Richter und Prof. Dr. Simon Peng-Keller untersucht wird.

TP 2 - ProjektbildDazu werden mit „Kreuz“ und „Auferstehung“ zwei Elemente der christlichen Tradition in den Blick genommen: In den vielfältigen, polyvalenten biblischen Erzählungen von „Kreuz“ und „Auferstehung“, vornehmlich den Passions- und Ostererzählungen, finden sich narrative Elemente, die von existentiellen Krisen und dem Umgang mit diesen erzählen – ohne diese Krisen immer aufzulösen. „Kreuz“ und „Auferstehung“ werden dabei als Narrative verstanden, die für Resilienz relevant werden können. Was das bedeutet, wird im Dialog mit den anderen Teilprojekten ausgeführt: Unser Verständnis von Resilienz erschließt sich aus Narrativen, die resilienzrelevant erscheinen, während gleichzeitig die Präzisierung des Resilienzbegriffes unsere Sicht auf resilienzrelevante Narrative verändert. Im Teilprojekt werden nun exemplarisch zwei sehr unterschiedliche Typen des Umgangs mit den Narrativen von „Kreuz“ und „Auferstehung“ in den Blick genommen: Die existentiell und interdisziplinär ausgerichtete Theologie Paul Tillichs (1886-1965) – und die spirituelle Praxis in der ökumenischen Communauté de Taizé.

Tillich denkt Kreuz und Auferstehung als Symbole des christlichen Glaubens im Rahmen seines existentiell-ontologischen Programms durch: Es erfordert den „Mut zum Sein“ um sich angesichts von existentieller Verzweiflung und Sinnlosigkeit dennoch, trotzdem als akzeptiert und bejaht zu wissen. Diese Haltung zielt auf eine Form der Überwindung von Krisen, in der – letzten Endes und kontrafaktisch – ein Imperativ der Hoffnung gilt, trotz aller Zweideutigkeiten des Lebens. Inwiefern diese Haltung der Hoffnung und (Selbst-)Bejahung trotzdem für wen und in welchen Krisen relevant werden kann, wird im Rahmen des gesamten Projektes entwickelt/diskutiert.

In Taizé ist das Narrativ des Kreuzes zentraler Teil der liturgisch-spirituellen Praxis, verdichtet im wöchentlichen „Gebet am Kreuz“ am Freitagabend, das exemplarisch im Projekt untersucht wird: Inwieweit lassen sich die spirituell-emotionalen Erfahrungen, die in dieser Praxis zum Ausdruck kommen als Form einer Verarbeitung von Krisen beschreiben – oder werden selbst krisenhaft? Was geschieht, wenn existentielle Anliegen in einem hoch narrativ und normativ aufgeladenen Kontext ganz leiblich und ohne reflexive Distanz „ans Kreuz gebracht“ werden?

„Kreuz“ und „Auferstehung“ als Resilienznarrative sind in komplexer Weise aufeinander bezogen: Was bedeutet es, von Kreuz und Auferstehung so zu reden, dass in der Rede vom Kreuz schon die Auferstehung enthalten ist und in der Rede von der Auferstehung immer noch das Kreuz mitschwingt? Das ist sprachlich schwierig umzusetzen, in der grafischen Gestaltung, so in dem obigen Bild von Gerhard Mevissen, Heimstatt Passion, leuchtet es eher ein: Das Dunkle schwingt im Hellen mit, das Helle durchbricht das Dunkle, beides kann nicht aufeinander reduziert werden.

 

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