Unsere Forschungsprojekte
Wir erforschen die Welt des Neuen Testaments. Methodenoffen, interdisziplinär und teamorientiert. Forschung findet bei uns nicht nur am Schreibtisch oder in der Bibliothek statt, sondern auch an den historischen Orten der frühen Christusbewegung und im Austausch mit Kolleg*innen aus aller Welt. Von großen Drittmittelprojekten mit internationaler Vernetzung, über laufende Qualifikationsarbeiten bis zu kleineren Forschungsinteressen – hier erfahren Sie mehr über die vielfältigen Forschungsprojekte unseres Teams.
ECCLESIAE (Early Christian Centers: Local Expressions, Social Identity, Actor Engagement)
Warum hat das Christentum die Antike überlebt und ist nicht untergegangen – wie die Kulte des Jupiter, der Isis oder des Mithras? Warum wurde die Jesusbewegung so attraktiv für Menschen aller sozialen Klassen in allen Teilen des Imperium Romanum und darüber hinaus? Was war so anziehend an dieser jüdischen Sekte mit ihrem Ursprung in einer unbedeutenden Provinz am Rand des Römische Reiches, dass sie zur wichtigsten Religion der westlichen Welt aufsteigen konnte und unsere Welt bis heute prägt?
Das Projekts ECCLESIAE (Early Christian Centers: Local Expressions, Social Identity, Actor Engagement) hat sich zum Ziel gesetzt, die Sozialgeschichte der ersten städtischen christlichen Gemeinschaften neu zu schreiben. Die Forscher*innen der Universitäten Bern und Bonn untersuchen den Aufstieg und die Ausbreitung des Christentums als städtisches Phänomen in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens.
Die antiken Metropolen Antiochia, Ephesus, Kolossä, Philippi, Korinth und Rom werden in ihrer Verschiedenheit ernst genommen und jeweils auf ihre ganz spezifischen Lebenswelten hin untersucht. Neben der neutestamentlichen Wissenschaft werden hierbei auch benachbarte Disziplinen wie die Archäologie, Epigraphik, Numismatik und Papyrologie einbezogen. Im Kontext des Projektes sind sieben Qualifikationsarbeiten (Dissertationen und Habilitationen) angesiedelt.
Mehr erfahren Sie hier: https://www.earlychristiancenters.com
SNF-Projekt
Projektlaufzeit: 2022–2025
Projektleitung: Prof. Dr. Jan Rüggemeier, Prof. Dr. Benjamin Schliesser (Universität Bern)
Projektbeteiligte (Bonn): Lara Mührenberg
Filmprojekt UR:BAN
Die Forscher*innen des Projektes ECCLESIAE der Universitäten Bern und Bonn sind auf ihren Reisen durch den Mittelmeerraum von einem Filmteam (Schwarzfalter GmbH) begleitet worden. Die daraus resultierende Filmserie „Ein neuer Gott für Roms Imperium“ nimmt die Zuschauer*innen mit in die antiken Metropolen. Wieso konnte das werdende Christentum hier Fuß fassen? Die Forscher*innen folgen den Spuren der ersten Christi*innen durch die heutige Türkei, Griechenland und Italien und drehen auf der Suche nach Antworten wortwörtlich jeden Stein um. Auf dieser faszinierenden Reise wird schnell klar, dass jede Stadt ihre eigene Geschichte erzählt!
Projektlaufzeit: 2022–2025
Projektleitung: Prof. Dr. Jan Rüggemeier, Prof. Dr. Benjamin Schliesser (Universität Bern)
Projektbeteiligte und Mitarbeitende (Bonn): Lara Mührenberg, Martin Wall, Justin Gedikoglu
Die Filmserie ist auf einem deutschsprachigen (Ecclesiae) sowie einem englischsprachigen (Early Christian Centers) YouTube-Channel frei verfügbar. Sie umfasst einen Hauptfilm sowie vier Städtefilme, die zeigen, welche spezifischen Nährböden die Städte Rom, Korinth, Ephesus und Philippi für die frühchristlichen Ideen geboten haben. Komplettiert wird die Filmserie durch 15 Interviews mit führenden Wissenschaftler*innen.
Ecclesiae (Deutsch): https://www.youtube.com/@EcclesiaeProjekt
Early Christian Centers (englisch): https://www.youtube.com/@EarlyChristianCenters
Wir kommen zu Ihnen!
Als Expert*innen für die Rom-Episode und den Hauptfilm begleiten wir Sie auf Ihrer Reise in die Welt der ersten Christ*innen. Unser Angebot umfasst die Vorstellung des Gesamtprojekts und seiner Zielsetzungen, die Vorführung eines ausgewählten Films und einen moderierten Einstieg in eine vertiefende Gesprächsrunde. Für weitere Informationen, Absprachen sowie zum Honorar kontaktieren Sie uns gerne.
Handbuch Early Christian Centers
Die englischsprachige Handbuchreihe „Early Christian Centers“ (ECC) zeichnet die Ausbreitung des werdenden Christentums in den Metropolen des antiken Mittelmeerraums nach. Die Bände sind einheitlich strukturiert und ermöglichen so einen handbuchartigen Überblick zu einer bestimmten Stadt und einen Vergleich zwischen den urbanen Zentren. Jeder Band befasst sich umfassend mit der jeweiligen Stadt von den Anfängen der Christusbewegung bis ins 4. Jahrhundert. Zielgruppe der Handbuchreihe sind sowohl Forschende aus den Bereichen Neues Testament, Kirchengeschichte, Archäologie, Alte Geschichte usw. als auch Studierende höherer Semester. ECC ist interdisziplinär und international ausgerichtet und verknüpft historische Perspektiven mit systematischen Herangehensweisen (Identitätstheorie, Konflikttheorie, Netzwerkanalyse, Sozialwissenschaften, Religionswissenschaft, Theologie etc.).
Die Handbuchreihe Early Christian Centers (ECC; Tübingen: Mohr Siebeck) stellt wichtige Städte des frühen Christentums vor, beginnend mit:
Rom, Alexandria, Korinth, Ephesus, Philippi, Thessaloniki, Kreta
Weitere Bände zu Athen, Karthago, Konstantinopel, Kolossä/Hierapolis/Laodizea sind geplant.
Herausgeber*innenteam
Benjamin Schliesser (Universität Bern – Neues Testament)
Jan Rüggemeier (Universität Bonn – Neues Testament)
Katharina Heyden (Universität Bern – Kirchengeschichte)
Sabine Feist (Universität Bonn – Christliche Archäologie)
Stefan Pfeiffer (Universität Halle – Alte Geschichte)
Narrative Space and Possible Worlds: Encountering Ancient Narratives from a Cognitive Science Perspective
Wie verstehen Menschen Geschichten, die ihnen in Texten und Bildern begegnen? Was erzeugt das Gefühl, Teil einer erzählten Welt zu sein? Und welchen Einfluss hat das auf die Wahrnehmung der Welt? Das interdisziplinäre und interreligiöse Forschungsprojekt, das gemeinsam mit Forschenden der University of St Andrews durchgeführt wird, widmet sich diesen Fragen, indem Ansätze der kognitiven Wissenschaften mit der Analyse vormoderner Texte und materieller Quellen verbunden werden. Ziel des Projektes ist es, zu verstehen, wie erzählerische Strukturen wirken und Bedeutung erzeugen. Exemplarisch fokussiert das Projekt hierbei, wie Räume in antiken Texten und materiellen von den Rezipient*innen wahrgenommen werden, wie sie für sie erfahrbar werden und welche Reaktionen sie hervorrufen.
St Andrews–Bonn Collaborative Research Grant 2023
Projektlaufzeit: 2023–2024
Projektleitung: Prof. Dr. Jan Rüggemeier, Prof. Dr. Elizabeth E. Shively (Baylor University), Dr. Lenia Kouneni (St Andrews)
Tagungen
Am 29.6.2023, am 22.9.2023 sowie vom 25.–26.4.2024 fanden drei Workshops zu diesem Thema unter Beteiligung von Forscher*innen unterschiedlicher Fachrichtungen in Bonn und St Andrews statt. Keynote-Speakerin PD Dr. Katrin Dennerlein ergänzte die Runde um eine literaturwissenschaftliche Perspektive.
Teilnehmende
Dr. Stefanie Archut (Christliche Archäologie, Bonn)
Prof. Dr. Lewis Doney (Tibetologie, Bonn)
Prof. Dr. Stefan Feuser (Klassische Archäologie, Bonn)
Dr. Eric Foster-Whiddon (New Testament Studies, St Andrews)
Jonathan Hunter (Theology, St Andrews)
Dr. Austin Kopack (Theology, St Andrews)
Dr. Lenia Kouneni (Art History, St Andrews)
Dr. Michael Lyons (Old Testament and Hebrew Bible, St Andrews)
Lara Mührenberg (Neues Testament, Bonn)
Simeon Redinger (Neues Testament, Bonn)
Prof. Dr. Jan Rüggemeier (Neues Testament, Bonn)
Prof. Dr. Elizabeth Shively (New Testament Studies, St Andrews/Baylor University)
Dr. Nicolas Wiater (Classics, St Andrews)
Unschuldige Bilder? – KI-generierte Bilder neutestamentlicher Frauenfiguren
Mit Hilfe von KI ist es heute ganz einfach, Bilder von neutestamentlichen Frauengestalten zu generieren. Diese Bilder suggerieren durch eine fotorealistische Anmutung einen verstärkten Wahrheitsanspruch und werden unbedarft genutzt – in den Sozialen Medien sowie in Bildung und Vermittlung. In dem Projekt wird untersucht, welche Stereotype die KI-generierten Bilder reproduzieren (z.B. Sexismus, Rassismus, Altersdiskriminierung) und wie diese Resultate mit Hilfe der Exegese verbessert werden können. Denn auf Grundlage der neusten Forschungsergebnisse aus Neutestamentlicher Wissenschaft, Archäologie, Geschichtswissenschaften etc. lassen sich viele Aspekte plausibilisieren (z.B. Alter, ethische Wurzeln, gesellschaftlicher Status, Möglichkeiten der Teilhabe etc.) – und gezielt prompten. Zudem sollen die Potenziale, die KI-generierte Bilder für die Neutestamentliche Wissenschaft bieten, ausgelotet werden.
Projektleitung: Lara Mührenberg
Historische und transkulturelle Erzähltheorie: Narrative Pneumatologie des Markusevangeliums
Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte SFB/Transregio „Historische und transkulturelle Erzähltheorie“ widmet sich der vergleichenden Untersuchung vormoderner Erzählungen aus unterschiedlichen kulturellen, sprachlichen und religiösen Kontexten. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Erzählungen über Epochen und Kulturen hinweg funktionieren, welche Dynamiken sie entfalten und welche Rolle sie für die Deutung von Welt, Geschichte und Gemeinschaft spielen. Der Forschungsverbund verfolgt dabei das Ziel, eine historisch und transkulturell ausgerichtete Narratologie zu entwickeln, die über die bislang vorherrschende Orientierung an modernen westlichen Erzähltraditionen hinausgeht.
Durch die Zusammenarbeit von Literatur-, Sprach-, Kultur-, Geschichts- und Religionswissenschaften werden Erzählungen der Antike, des Mittelalters und der Frühen Neuzeit systematisch miteinander verglichen. Neben der Entwicklung neuer theoretischer und methodischer Zugänge untersucht der Verbund auch die Möglichkeiten digitaler und KI-gestützter Verfahren für die Analyse und den Vergleich historischer Narrative.
Innerhalb des Forschungsverbundes befassen sich Prof. Dr. Jan Rüggemeier und Simeon Redinger M.A. mit dem Teilprojekt „Die narrative Pneumatologie des Markusevangeliums“.
Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt die Darstellung des Heiligen Geistes im Markusevangelium. Während die neuere Forschung die narrative Christologie und Theologie des ältesten Evangeliums intensiv analysiert hat, bleibt die markinische Pneumatologie bislang vergleichsweise wenig beachtet. Ein Grund hierfür liegt darin, dass der Heilige Geist als handelnde Figur nur im Prolog des Evangeliums (Mk 1,1–15) erscheint und im weiteren Verlauf der Erzählung überwiegend Gegenstand der Rede anderer Figuren ist.
Das Projekt geht von der Annahme aus, dass diese auffällige Erzählstrategie bewusst gewählt wurde. Mithilfe narratologischer Ansätze wird der Heilige Geist als sogenannte „Off-Stage-Figur“ untersucht – ein aus antiken Literatur- und Dramentraditionen bekanntes Gestaltungsmittel. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Rezipient*innen durch narrative Hinweise mentale Modelle einer Figur entwickeln und welche theologischen Aussagen auf diese Weise vermittelt werden.
SFB/Transregio
Projektlaufzeit:
Sprecherin des SFB: Prof. Dr. Eva von Contzen (Freiburg)
Projektleitung: Prof. Dr. Jan Rüggemeier (Bonn)
Doktorand des Teilprojekts: Simeon Redinger
Habilitations- und Dissertationsprojekte
Becoming FeMale – Konstruktion(en) von „Geschlecht“ in der stadtrömischen Katakombenmalerei
In ihrem abgeschlossenen Dissertationsprojekt hat Lara Mührenberg untersucht wie ‚Geschlecht‘ im Bild inszeniert und konstruiert wird. Die Materialbasis der Arbeit bilden die Verstorbenenportraits in den stadtrömischen Katakomben. Mührenberg nimmt die den Verstorbenen zugeschriebenen Tugenden, die Art und Weise, wie ihr gesellschaftlicher Status inszeniert worden ist, sowie die ins Bild gesetzten Familienkonstellationen etc. in den Blick und analysiert diese Phänomene im Hinblick auf ihre geschlechtsspezifischen Implikationen. Sie zeigt, dass die in Schriftquellen fassbaren Phänomene, die männliche und/oder weibliche Aspekte einer Person anzeigen, auch in der christlich-römischen Bildsprache verhandelt werden. Die im Bild inszenierten Geschlechtsmischverhältnisse der dargestellten Personen zeigen dabei aber eine deutlich andere Feinjustierung als auf Grundlage schriftlicher Quellen zu erwarten wäre.
Betreuende: Prof. Dr. Jan Rüggemeier (Neues Testament, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn) und Prof. Dr. Ute Verstegen (Christliche Archäologie Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg)